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Lasst uns froh und munter sein – und gern ein bisschen schräg
Köstliche Musiksatire des „Hammer Twintetts“ mit seinem vorweihnachtlichen Programm „Backblech“ im „Steinhäuser Hof“ in Neustadt:
Dass Weihnachten mehr sein kann als ein Fest der Besinnlichkeit, bewies am Freitag das „Hammer Twintett“ – Perkussionist Thomas Hammer und die Posaune und Tuba spielenden Zwillinge Bernhard und Roland Vanecek – eindrucksvoll beim Neustadter Jazzclub im „Steinhäuser Hof“.
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Freude, Heiterkeit, Humor und große Virtuosität war die Mixtur, aus dem das Trio mit seinem vorweihnachtlichen Programm „Backblech" köstlich mundende musikalisch-satirische Plätzchen buk. Auftakt war eine kleine, gewollte Verspätung: Als an den Tischen schon ungeduldig getuschelt wurde, erklangen plötzlich aus der sich Garderobe im oberen Stockwerk die ersten Takte von „Alle Jahre wieder". Die von dort aus zum Konzertsaal führenden Stufen als Showtreppe nutzend, zog das „Hammer Twintett" im Gänsemarsch ein, wobei sich Hammer eine Djembé umgehängt hatte, auf der er afrikanische Rhythmen zum deutschen Weihnachtslied trommelte. In der Szene ist er als „Percussionshammer" bekannt. Den ganzen Abend über hatte er auf allen möglichen Schlaginstrumenten sprichwörtlich alle Hände voll zu tun. Unter anderem arbeitete er schon mit „Amokoma", den „Busters" und den „Fantastischen Vier" zusammen. Sein Handwerk hat er von seinem Vater Karl-Heinz übernommen, einst als Drummer der Hauensteiner Band „Cry"n Strings", die in den 60er Jahren mit „Monja" einen Riesenhit hatte.

Auf der Bühne angekommen, band er sich - nach einer flippigen Version von „Morgen Kinder, wird"s was geben" - eine Schürze um, und trommelte zu „In der Weihnachtbäckerei" auf einem echten Backblech weiter. Dieses namengebende „Instrument" steht für das „Twintett", erläuterte Roland Vanecek: „Meist unscheinbar, oft ein wenig verschmiert, und trotzdem entstehen darauf die süßen Feinheiten, die wir alle so lieben und denen wir nicht widerstehen können."

Roland Vanecek ist seit 2001 Tubist im Hessischen Staatstheater und wurde vor allem durch sein gemeinsames Soloprogramm mit dem Schauspieler Klaus Maria Brandauer und Auftritte mit Jazzlegende Bobby Shew populär. Bernhard Vanecek wohnt in Limburgerhof, wirkte bei zahlreichen Fernseh- und Rundfunkproduktionen mit und produzierte Hörspiele und Hörbücher mit eigenen Kompositionen. Seit 2007 ist er Mitglied bei Ernst Hutter und den „Original Egerländer Musikanten" und trat außerdem unter anderem mit der „Mardi Gras Brass Band" auf.

Originelle Ideen und Humor prägten das Konzert in Neustadt. Mal spielten sie während der Brenndauer einer Wunderkerze im Eilverfahren das Lied vom Rentier mit der roten Nase, ein anderes Mal verbanden sie „Leise rieselt der Schnee" mit der Miles Davis-Komposition „All Blues" zu einem völlig neuen, etwas schräg, aber trotzdem äußerst interessant klingenden Stück, oder modernisierten „Maria durch ein" Dornwald ging" mit dem bekanntesten „Temptations"-Hit zu „Maria Was A Rolling Stone". Der ganze Klamauk ist aber nur möglich, weil alle drei Meister ihres Fachs sind und ihre Instrumente im Schlaf beherrschen. Nur solche Profis können selbst schwierigste Passagen spielerisch einfach erscheinen lassen und mit minimalen Aufwand die Illusion erzeugen, ein ganzes Orchester stehe auf der Bühne.

Neben den musikalischen gab es nicht weniger witzige Wortbeiträge, zum Beispiel Loriots bissige Adventssatire „Kannibalismus im Försterhaus". Höhepunkt war Roland Vaneceks gesungene Interpretation von Hape Kerkelings „Winterzeit in Wien", zu dem er sich selbst auf einem Mini-Akkordeon begleitete. Nach soviel Blödsinn konnte der Konzertabend nach drei Zugaben nur noch mit einem Stück enden, das wie ein Fazit klang - selbstverständlich nicht in der gewohnten Version: „Laßt uns froh und munter sein".

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